Schränkt 3D-CAD den Architekten ein?
Nein, nein und nochmals nein, meint Christian M. Artaker. Der CAD-Profi im dritten Teil seiner Kommentarserie über die Vorzüge dreidimensionaler Planungs-Tools und ihre Bedeutung für BIM.
Ein Gebäude ist immer ein dreidimensionales Gebilde. Ein Architekt denkt immer dreidimensional, genauer gesagt vierdimensional, weil die Zeitachse ein ewiger und mahnender Begleiter bei jeder Bauplanung ist. Auch wenn es nur ein einfacher Umbau ist, wo ein 2D-Grundriss als Planungsunterlage genügen würde, sind dennoch die Raumhöhen von Bedeutung. Und sei es nur, um die Massen für die Ausschreibung schneller exportieren zu können.
Skizzen für den Vorentwurf können nach wie vor auf Aquafix gezeichnet werden, auch wenn moderne 3D-CAD-Systeme bereits in diesem frühen Stadium den Architekten im wahrsten Sinn des Wortes freie Hand lassen. Es spricht auch nichts dagegen, aus einer Skizze ein 3D-CAD-Objekt von einem Architekturstudenten im eigenen Büro anfertigen zu lassen. Frank O. Gehry der Freiformflächen zur Spitze getrieben hat, arbeitet nach wie vor mit Papierkarton, Schere und Klebeband, lässt in Folge aber per 3D-Scanner seinen Entwurf abtasten und in sein 3D-CAD System einspielen.
Warum also 3D, wenn ein 2D-Plan genügt?
Am Anfang nimmt das 3D-Modell im Kopf des Architekten Gestalt an. Das betrifft in erster Linie die gesamte Kubatur mit den Außenflächen, den Eingangs- oder Empfangsbereich, das Stiegenhaus sowie alle Räume, die es architektonisch zu gestalten gilt. Genau wie bei Regelräumen – egal ob Büro, Wohn- oder Schlafzimmer, Gänge, Nassräume, Küchen usw. Warum also noch einen Grundriss im Detail ausfertigen, wenn Stiegenhaus, Nassgruppen, Aufzug, Versorgungsstränge, tragende Wände, Stützen und Fassade jedes Stockwerk bestimmen? Da geht es viel schneller und birgt auch keine Gefahren bezüglich Kollisionen oder seitlichen Versetzungen, wenn das 3D-CAD-Modell alle drei Meter horizontal durchgeschnitten und der Regelgeschossplan dadurch automatisch erstellt wird.
Bei modernen Datenbank-basierenden und objektorientierten CAD-Systemen wie AutoCAD Revit und ArchiCAD wird ohne separaten Eingriff des Planers jede Änderung im Regelgeschoss in die Datenbank geschrieben. In jedem Stockwerk, jedem Maßstab, jeder Ansicht und jedem Schnitt wird der neue Stand angezeigt und die Fehlerhäufigkeit geht gegen Null. Eine Umschulung auf 3D-CAD ist nicht allzu schwer, da moderne Software nicht mit umfangreichen Menüs arbeitet, sondern intuitiv die nächsten Schritte vorschlägt.
Ist ein 3D-CAD-System gleichbedeutend mit BIM?
Nein, ein objektorientiertes 3D-CAD-System ist Grundvoraussetzung für BIM. Building Information Modeling ist viel mehr, denn Gebäude werden dabei nachhaltig über den gesamten Lebenszyklus betrachtet – vom Entwurf bis zur Fertigstellung, von der Übergabe an den Bauherren, Betreiber und Facility Manager bis zum Umbau, Ausbau, Renovierung und zuletzt Abriss inklusive Baustoffrecycling.
Während die USA, Australien, Skandinavien und England schon viel weiter in Sachen BIM unterwegs sind, fängt in Deutschland und Österreich das Umdenken der neuen Bauherren, Nutzer, Investoren und Banken gerade erst an. Große Generalplaner, Generalunternehmer und Baumeister sowie einige Architekturbüros haben bereits mit der BIM-Einführung begonnen, um den Green- bzw. Blue-Building-Gedanken umzusetzen. Dabei geht es nicht um kurzfristige Ertragsoptimierung, sondern nutzungsorientiert und Lebenszyklus-optimiert für Projektentwickler, Property und Facility Manager zu planen.
Durchgehende BIM-Lösungen, die nicht nur Architektur, sondern auch Statik, HKLS-E/TGA umfassen, werden von AutoCAD Revit und Nemetschek in Österreich angeboten. Dabei ist die CAD-Software nur ein Teil der Lösung, denn: BIM bedeutet ein Umdenken in der Planung. BIM-Fachleute müssen die Planungsbüros begleiten, um Änderungen in der Ablauforganisation der gesamten Planungskette umzusetzen, Schulungspläne zu erstellen sowie Plan- und Datenmaterial auf dezidierten Servern oder in der Cloud zur Verfügung zu stellen.
Christian M. Artaker, CEO von Artaker CAD Systems, ist seit 30 Jahren im CAD-Umfeld Architektur und Bauwesen sowie Maschinen- und Anlagenbau tätig.

